Wechselkurse könnten ungarische kleine und mittlere Exportunternehmen teuer zu stehen kommen

Spediteure, die den Großteil ihrer Einnahmen in Fremdwährung abrechnen und ihre Fixkosten in Forint bezahlen, leiden unter dem starken Forint, da sie von der sinkenden Inflation nicht so viel profitieren, wie sie durch ihre Forint-Einnahmen verlieren. Unterdessen treibt China, ungeachtet der Schwierigkeiten im Seehandel, den Welthandel weiter voran.

Der Forint, die ungarische Währung, hat deutlich an Wert gewonnen. Während der Wechselkurs vor einem Jahr noch bei etwa 400 Forint pro Euro lag, ist die ungarische Währung im Juni dieses Jahres auf fast 350 Forint pro Euro gestiegen. Dies entspricht einer Aufwertung des Forints um gut elf Prozent innerhalb eines Jahres und um 7,2 Prozent seit Januar dieses Jahres. Ähnlich verhält es sich gegenüber dem US-Dollar. Zudem konnte der Forint gegenüber den Währungen der Region an Wert gewinnen.

Die Ungarn sind im Allgemeinen der Meinung, dass eine starke Landeswährung fast jedem zugutekommt. Wer im Urlaub ins Ausland reist, kann sich dank dessen dort eine Unterkunft leisten und Dinge essen und trinken, für die er sich beim früheren Wechselkurs kein Geld leisten konnte. Importe werden billiger, was die Inflation bremst. Die Staatsverschuldung sinkt, wenn man sie in Forint berechnet.

Seltsamerweise ist die Regierung dennoch nicht eindeutig erfreut über die entstandene Situation. Laut einer Erklärung des kürzlich ernannten Finanzministers András Kármán ist die Regierung nicht an einer weiteren Aufwertung des Forints interessiert, sondern in erster Linie daran, dass sich die Differenz zwischen inländischen und ausländischen Zinsen schließt.

Ungarische Exportunternehmen müssen die Zähne zusammenbeißen

Es ist ein bekanntes Gesetz der Wirtschaft, dass ein Wechselkurs, der für Importeure günstig ist, für Exporteure ungünstig wird. Ungarische Klein- und Mittelunternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen im Ausland verkaufen, erhielten letztes Jahr um diese Zeit noch 390 Forint für jeden Euro Umsatz. Im Juni 2026 müssen sie hingegen mit 350 bis 360 Forint auskommen.

Anders als die rückläufigen Einnahmen steigen die in Forint berechneten Ausgaben, beispielsweise die Lohnkosten, weiter an. Zwar müssen sie nicht mehr mit einer so hohen Inflation rechnen wie zuvor, dennoch ist dies ein Problem. Unternehmen mit geringen Gewinnspannen könnten schnell feststellen, dass ihre Kosten ihre Einnahmen übersteigen. Die Frage ist, wie lange die Aufwärtsdynamik des Forints anhalten kann.

Gábor Regős, Chefökonom und Manager eines beliebten ungarischen Investmentfonds, nennt in seiner Devisenmarktanalyse mehrere Gründe für die jüngste Aufwertung. Ein Faktor ist der Dollar, der aus geopolitischen Gründen zeitweise schwächelt, was den Forint-Wechselkurs stützt. Ein weiterer Faktor ist die Zinsentscheidung der ungarischen Zentralbank (MNB). Die Zentralbank senkte ihren Leitzins nicht und verwies dabei auf den Inflationsdruck, der durch die stark gestiegenen Energiepreise verursacht wurde.

Inländische Faktoren sind das erwartete Vertrauen der Investoren in die neue Regierung und die günstige Industrieproduktion. Experten sagen, dass der Markt alle möglichen außenwirtschaftlichen Umstände sowie weitere Schritte der Regierung und der Zentralbank bereits in den Wechselkurs eingepreist hat. Daher wird keine weitere signifikante Aufwertung des Forints erwartet. Dennoch ist der Forint so stark wie nie zuvor. Die Frage ist, ob die MNB ihren lang erwarteten Zinssenkungszyklus einleiten wird. Hierüber gibt es unterschiedliche Erwartungen am Markt.

Ungarische Exporteure in Schwierigkeiten – China setzt seine Exportoffensive unbeirrt fort

Experten, die die Lieferketten beobachten, konnten im ersten Quartal 2026 feststellen, dass der Welthandel die Probleme, die den Transport erschweren, ignoriert. Containerschiffe können das Rote Meer nach wie vor praktisch nicht passieren und die Straße von Hormus wurde von den Iranern gesperrt. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – stechen immer mehr Container auf die Weltmeere hinaus.

Während das Seefrachtvolumen auf der Hauptroute zwischen China und den Vereinigten Staaten zurückging, nahm es in allen anderen Richtungen zu. Laut Nigel Pusey, CEO von Container Trade Statistics (CTS), sei die Diversifizierung der Exporte des asiatischen Landes jedoch keine Reaktion auf die erhöhten US-Zölle, sondern ein seit Jahren laufender Prozess. Pusey äußerte sich in einem Podcast der Speditionsriese Dimerco. 

Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 46,2 Millionen TEU an Gütern über die Weltmeere transportiert, was laut CTS-Daten einem Anstieg von 4,4% im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht. Wäre der Handel im Nahen Osten nicht durch den Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran gestört worden, hätte das Wachstum bei 6% liegen können. Der Ende Februar begonnene bewaffnete Konflikt hat dem weltweiten Schiffsverkehr 840.000 TEU entzogen.

China wendet sich von den Vereinigten Staaten ab. China wendet sich von Europa ab. China richtet seinen Blick auf den Rest der Welt.

So ging beispielsweise der Containerverkehr von Fernost in die Vereinigten Staaten in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Jahresbeginn 2025 um 4 % zurück. Dabei verzeichnete die CTS einen Rückgang des Handels zwischen China und den Vereinigten Staaten um 10 %. Dieser Rückgang wurde teilweise durch einen Anstieg des amerikanischen Verkehrs aus anderen südostasiatischen Ländern ausgeglichen, der um rund eine Million TEU zunahm. Die Hälfte dieses Anstiegs stammte aus Vietnam, ein Drittel aus Thailand und 10–15 % aus Kambodscha. Die Meinungen darüber, inwieweit chinesische Investoren hinter diesem Anstieg stehen, gehen auseinander.

Der chinesische Verkehr ist nicht verschwunden, sondern hat sich auf andere Zielmärkte verlagert. So stieg der Transport zwischen afrikanischen Ländern und großen asiatischen Reedereien im ersten Quartal um 33 %. Dies betrifft hauptsächlich chinesische Exporte, die vor allem für die westafrikanische Region bestimmt sind. Die Expansion wird durch die Verbesserung der afrikanischen Hafeninfrastruktur unterstützt.

Lateinamerika verzeichnete einen Anstieg von Gütern aus Asien um 17 Prozent. Der Großteil davon gelangte in brasilianische Häfen. Auch die Lieferungen nach Indien stiegen um 17 Prozent. 

Der Transportverkehr zwischen Fernost und Europa wuchs im ersten Quartal dieses Jahres um 15%. In diesem Zusammenhang vergrößerte sich das Verhältnis von Hin- zu Rücktransporten von 2,4:1 im Jahr 2023 auf 3,5:1 im Jahr 2026. Dies entspricht einem Anstieg von fast 46%. In den ersten drei Monaten des Jahres nutzten europäische Exporteure lediglich 34% der verfügbaren Transportkapazitäten von Europa nach Fernost. Laut Nigel Pusey ist der Rückgang der deutschen Exporte der Hauptgrund dafür.

Quellen:

https://nepszava.hu/3325311_tul-eros-forint

https://granitalapkezelo.hu/grandioblog/negyeves-csucson-a-forint-okai-es-gazdasagi-hatasai/

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